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Rezensionen

 

 

Einer meiner am meisten geschätzten Kollegen ist der "Altmeister" der Biologiedidaktik Ulrich Kattmann. Lesen Sie meine Rezension zu seinem aktuellen Buch (veröffentlicht in UB 411, S. 48):

 

Kattmann, U. (2015): Schüler besser verstehen. Alltagsvorstellungen im Biologieunterricht. Hallbergmoos: Aulis Verlag; 428 S., zusätzliche Stichwörter zum Download; 24,90 €

Ulrich Kattmann ist ein Fuchs. Jahrzehntelang hat er die wissenschaftliche Forschung zu den biologischen Alltagsvorstellungen von Schülern vorangetrieben. Die erhobenen Daten wurden im Rahmen des Modells der Didaktischen Rekonstruktion, das er zusammen mit Physikdidaktikern entwickelt hatte, mit fachlich geklärten wissenschaftlichen Vorstellungen in Beziehung gesetzt, um auf dieser Basis Vorschläge für eine lernförderliche, didaktisch rekonstruierte Strukturierung des Biologieunterrichts zu machen. Aber die unzähligen Dissertationen, die auf diese Weise entstanden sind, liest kein Mensch – pardon, kein Lehrer.

Dabei tut sich jede Lehrkraft mit den Alltagsvorstellungen ihrer Schüler schwer, weil sie so hartnäckig sind. Viele Schüler behalten sie auch bei, nachdem sie die wissenschaftlich korrekten Vorstellungen gelernt haben, weil das von ihnen erwartet wird. In den Interviews, die im Rahmen der o.a. Dissertationen geführt wurden, wird das überdeutlich. Biologie lernen muss daher immer Umlernen sein. Um das in didaktisch sinnvoller Weise zu gestalten, sollten Lehrkräfte die Alltagsvorstellungen ihrer Schüler kennen und (!) ernst nehmen.

Um eine fundierte Unterrichtsvorbereitung für einen schülerorientierten Unterricht zu ermöglichen, der diesen Namen auch verdient, hat der „Altmeister“ der Biologiedidaktik nun in einem Lexikon alles zusammengetragen, was inzwischen über die Alltagsvorstellungen von Schülern bekannt ist – von A wie Abstammung bis Z wie Zellteilung. Getreu dem Forschungsrahmen des Modells der Didaktischen Rekonstruktion werden auch die jeweils fachlich zutreffenden Konzepte erläutert und Ideen vorgestellt, wie mit beidem im Unterricht umgegangen werden kann. Besonders die Unterrichtsideen nehmen im Lexikon einen großen Raum ein und vermittelt sehr anschaulich, wie Alltagvorstellungen als Chancen für fachliches Lernen genutzt werden können.

Es wurden nur solche Begriffe für das Lexikon ausgewählt, von denen wird erwartet, dass sie mit der Kenntnis der Alltagsvorstellungen besser unterrichtet und von den Schülern gelernt werden können. Zusätzlich zu den Stickworten im gedruckten Lexikon können über einen Link weitere und erweiterte Stichworte online abgerufen werden. Eine instruktive Einleitung zum Umgang mit Alltagsvorstellungen im Biologieunterricht und Hinweise zum Arbeiten mit dem Lexikon runden diese wertvolle Veröffentlichung ab.

Wenn man die Texte zu den einzelnen Stichworten liest, ahnt man, wieviel Arbeit dahinter steckt. Wer sich intensiver mit einem Begriff auseinandersetzen möchte, findet am Ende jedes Stichworts weiterführende Literatur. Daher ist das Buch nicht nur für Praktiker in der Schule, sondern für alle interessant, die sich wie auch immer mit den biologischen Alltagsvorstellungen von Schülern beschäftigen möchten. Trotz des hohen wissenschaftlichen Niveaus ist das Buch klar und verständlich geschrieben. Danke, Ulrich!

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